Land- und
Forstwirtschaft
Ernährung

I. Die wichtigsten Forderungen

1. Landwirtschaft

Die Stadt Aachen passt die Pachtverträge für die in ihrem Eigentum befindlichen landwirtschaftlich genutzten Flächen zum nächstmöglichen Zeitpunkt (Neu- oder Wiederverpachtung) so an, dass dort in Zukunft nur noch nach den Kriterien des ökologischen Landbaus gewirtschaftet wird. Sie trägt damit zumindest auf ihren städtischen Pachtflächen zur Senkung der Treibhausgas- (THG-) Emissionen aus der Landwirtschaft (insb. CO2, Methan, Lachgas) und damit zum Klimaschutz bei. Zudem sind die Emissionen aus der Landwirtschaft, insbesondere der städtischen Flächen, in die Klima-Bilanzen der Stadt aufzunehmen.

2. Forstwirtschaft

Die Stadt Aachen setzt das Ziel der nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS 2007) um, bis 2020 zehn Prozent des kommunalen Waldes („Öcher Bösch“) aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Wälder mit einem hohen Anteil alter Laubbäume und Totholz speichern wesentlich mehr Treibhausgase (THG) als forstwirtschaftlich genutzte Wälder. Die Stadt Aachen trägt so gleichermaßen zum Klima- und Artenschutz bei („win-win“-Situation). Auch in den weiter forstwirtschaftlich genutzten Waldbereichen wird der Anteil von liegendem und stehendem Totholz weiter erhöht, gefällte Laubbäume werden im Wald belassen.

3. Ernährung

Die Stadt Aachen stellt die Essens- bzw. Menüangebote in allen in Frage kommenden Kantinen, Schul-/Kita-Küchen und ähnlichen städtischen Einrichtungen auf regionale, fleischarme und ökologisch hergestellte Produkte um. Dies dient nicht nur dem Klima-, Umwelt- und Naturschutz, sondern auch der Gesundheit. Die Stadt wirkt auf große Unternehmen und die Hochschulen ein, ihre Kantinen / Mensen entsprechend zu betreiben. Die höheren Kosten regionaler, ökologisch erzeugter Lebensmittel lassen sich weitgehend durch die Reduktion von Fleisch kompensieren.
Gemüsekorb
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Ergänzende Empfehlungen für andere Bereiche:

4) Städtische und private Grünflächen

Städtische Grünflächen sind wichtige THG-Senken und Lebensräume für Kleintiere. Städtische Grünflächen, Parkanlagen, Kleingärten, Straßen- und Wegebankette sind daher nur noch extensiv zu pflegen (weniger häufig und insektenschonend zu mähen), auf Pestizid- und Düngereinsatz ist zu verzichten, Durch die Vermeidung des Einsatzes von Torf trägt die Stadt zur Erhaltung der Moore bei, die – wie Wälder – ebenfalls wichtige THG-Senken sind.

5. Bauen und Wohnen

Auch private Grünflächen können wichtige THG-Senken sein. Die Begrünung von öffentlichen und privaten Dachflächen und Fassaden wird zu Gunsten der Artenvielfalt, der Luftqualität und der Kühlung des Mikroklimas gefördert. Sogenannte Steingärten („Gärten des Grauens“) sind in neuen B-Plänen oder Gestaltungssatzungen für Neubaugebiete zu verbieten. Der Einsatz von Torf ist auch hier zu untersagen.

II. Konkrete Forderungen der Gruppe
Land- und Forstwirtschaft / Ernährung

Die Stadt Aachen soll feststellen, welche landwirtschaftlich genutzten Flächen ihr gehören und bei Neu- oder Wiederverpachtung für eine ökologische Bewirtschaftung dieser Flächen Sorge tragen: – bis spätestens 2030 auf mindestens 50 Prozent der Flächen, – bis spätestens 2040 auf 100 Prozent der Flächen, – wobei mindestens „BIOLAND“-Standard anzulegen ist.

Die Stadt soll bei den Pächtern ihrer landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Beratung und Motivation aktiv dafür Sorge tragen, dass bei der Viehhaltung die Zahl der Tiere reduziert (Anzahl angepasst an das eigene Futterproduktionspotential), ein holistisches Weidemanagement praktiziert, und die Zielsetzung des ökologischen Anbaus (siehe oben) umgesetzt wird.

Zudem fördert die Stadt auf allen geeigneten Flächen die Pflanzung von Obst- und Wildfruchtgehölzen mit lokalen/ regionalen Sorten, die Anlage und extensive Pflege artenreicher Wiesenflächen sowie den Humusaufbau (Verbleib alles pflanzlichen organischen Materials auf den entsprechenden Flächen, Häcksel und Mulch).

Die Stadt soll dafür Sorge tragen, dass die Anwendung jeglicher Pestizide (insbesondere Glyphosat-haltige sowie Neonicotinoide) und jeglichen Kunstdüngers auf ihren Flächen beendet wird und künftig unterbleibt:
– bis spätestens 2030 auf ihren landwirtschaftlich genutzten Flächen.
– mit sofortiger Wirkung auf allen anderen städtischen Flächen, insbesondere öffentlichen Grünflächen, Sportflächen, Kleingartenanlagen, Straßenränder und Wegebanketten etc.).

Zur Erreichung dieser Ziele soll die Stadt sich ab sofort über diesbezügliche Maßnahmen und Fortschritten in anderen Kommunen informieren und diese soweit als möglich übernehmen (BUND-Projekt „Pestizidfreie Kommune“, inzwischen über 500).

Die Stadt soll feststellen, welche Flächen zurzeit widerrechtlich landwirtschaftlich genutzt werden. Die Stadt soll dafür Sorge tragen, dass diese Flächen mit sofortiger Wirkung aus der landwirtschaftlichen Nutzung entfallen und als Ackerrandstreifen, Blühstreifen etc. lediglich extensiver Pflege im Sinne von Biodiversität und Biotopverbund unterliegen. Die Stadt fördert zudem die Neuanlage von Hecken und Feldgehölzen.

Die Stadt Aachen setzt das Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS 2007) um, bis 2020 zehn Prozent des kommunalen Waldes („Öcher Bösch“ inklusive Augustinerwald) aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. In den weiter forstwirtschaftlich genutzten Waldbereichen wird der Anteil von liegendem und stehendem Totholz weiter erhöht, gefällte Laubbäume werden im Wald belassen.

Diese Maßnahmen kommen nicht nur der biologischen Vielfalt zugute (Wälder mit alten Laubbäumen und hohem Totholzanteil haben die höchste Artenvielfalt), sondern auch dem Klimaschutz. Alte, totholzreiche (stehendes und liegendes Totholz) Wälder speichern wesentlich mehr CO2 als intensiv forstwirtschaftlich genutzte Wälder (3 Prozent). Nach den derzeitigen Standards (etwa FSC) bewirtschaftete Wälder speichern nur etwa 35 Prozent der Treibhausgase wie ein nicht oder naturnah beförsterter Wald (links siehe Kapitel III).

Die Stadt reduziert die im Zuge des Wegeschutzes vorgenommenen Bankettfräsungen, deren Ausmaß sich zerstörerisch auf blühende Grünstreifen auswirkt – ebenfalls THG-Senken und wichtige Insekten-Lebensräume an den Wegrändern.

Die Stadt soll dafür Sorge tragen, dass die kommunale Ernährungssouveränität erreicht, sowie Vermarktung und Konsum der lokalen/regionalen Produktion vor Ort gefördert wird. Daher sollen mit sofortiger Wirkung in allen in Frage kommenden Kantinen, Schul-/Kita-Küchen und ähnlichen städtischen Einrichtungen die Menüangebote auf regionale, fleischarme und ökologisch hergestellte Produkte umgestellt werden. Dies dient nicht nur dem Klima-, Umwelt- und Naturschutz, sondern auch der Gesundheit.
Wir verweisen auf den in vielen Staaten weltweit bereits seit langem praktizierten „Meatless Monday“, sowie auf die aktuellen Empfehlungen des IPCC (IPCC-Sonderbericht 8.8.2019) (3) und des PIK („Zurück zum Sonntagsbraten“). Die höheren Kosten regionaler, ökologisch erzeugter Lebensmittel lassen sich weitgehend durch die Reduktion von Fleisch kompensieren.
Die Stadt unterstützt lokal Produzierende unter anderem bei der lokalen Vermarktung und Direktvermarktung.
Die Stadt Aachen wirkt durch geeignete Maßnahmen darauf hin, dass auch in privaten Gärten und Kleingartenanlagen
  • der Einsatz von Pestiziden und Dünger sowie Torf eingestellt wird,
  • auf allen geeigneten Flächen die Pflanzung von Obst- und Wildfruchtgehölzen, sowie die Anlage und extensive Pflege artenreicher Wiesenflächen gefördert, sowie
  • der Humusaufbau (Verbleib alles pflanzlichen organischen Materials auf den entsprechenden Flächen, Häcksel und Mulch) unterstützt wird.
Zur Verbesserung des Mikroklimas werden die sogenannten „Gärten des Grauens“ (NABU-Aktion gegen Steingärten) in den Bebauungsplänen und Gestaltungssatzungen für Neubaugebiete untersagt. Für vorhandene Gärten bietet die Stadt entsprechende Beratung zur Umgestaltung an.

Politik und Verwaltung wirken im Übrigen auch in allen übergeordneten Gremien, wie etwa dem Deutschen Städtetag, mit, die genannten Ziele und Forderungen auch in anderen Kommunen umzusetzen!

III. Ausgangslage und THG-Bilanzen

1. Landwirtschaft

Die derzeitige intensive Landwirtschaft ist global für ca. 12 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas- (THG-) Emissionen verantwortlich, in Deutschland für etwa 7 Prozent bzw. 64 Millionen Tonnen C02-Äquivalente pro Jahr, insbesondere CO2, Methan und Lachgas. Die Landwirtschaft emittiert damit nur unwesentlich weniger THG als private Haushalte (9 Prozent) (BMEL, UBA) (4, 5). Rund 60 % der gesamten Methan (CH4)-Emissionen und 80 % der Lachgas (N2O)-Emissionen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft. Die Methan-Emissionen resultieren aus der Tierhaltung sowie dem Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist), die Lachgas-Emissionen vor allem aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch) (5). In der Stadt Aachen werden 63,88 km2 des Stadtgebietes landwirtschaftlich genutzt (Statistisches Jahrbuch 2016), das entspricht 0,035 Prozent der deutschen Landwirtschaftsfläche. Somit betragen die THG-Emissionen aus der Landwirtschaft in Aachen etwa 22,4 Mio kg / Jahr. Diese Emissionen sind in den bisherigen Klima-Bilanzen der Stadt nicht berücksichtigt, was künftig erfolgen muss. Etwa 22 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen (1.400 Hektar) befinden sich im Eigentum der Stadt (6), davon werden bisher ca. 20 Prozent ökologisch bewirtschaftet. Es ergibt sich damit ein Potenzial von ca. 18 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche Aachens, die im Eigentum der Stadt stehen und noch nicht ökologisch bewirtschaftet werden, entsprechend einer THG-Emission von ca. 4 Mio kg CO2-Äqivalenten pro Jahr. Bei Neu- oder Wiederverpachtung müssen diese Flächen in die Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase im Rahmen des Klimanotstandes einbezogen werden. (Anmerkung: Ähnliches ist für die landwirtschaftlichen Flächen im Besitz des Bistums und der Kirchen anzustreben).

Politische Rahmenbedingungen

Die Bundesregierung hat sich im Klimaschutzplan 2050 verpflichtet, die jährlichen Emissionen aus der Landwirtschaft bis 2030 gegenüber 2014 um 11 bis 14 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (ca. 20 Prozent) zu reduzieren. Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung verpflichtet, den Anteil ökologisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen bis 2030 auf mindesten 20 Prozent zu erhöhen (bisher 7 Prozent). Andere EU-Länder sind da weiter; Österreich z.B. hat die 20 Prozent schon jetzt erreicht.

2. Forstwirtschaft

Auch im Bereich der Forstwirtschaft kann der Ausstoß von THG massiv verringert sowie vor allem die Bindung von THG intensiviert werden. Da die Stadt Aachen etwa 2300 Hektar (7) kommunalen Wald besitzt („Öcher Bösch“ inklusive Augustinerwald und Münsterwald), kann sie auch hier zur Reduzierung der THG beitragen. Diese Maßnahmen sind zudem kurzfristig und kostengünstig (z.T. kostenneutral) umzusetzen. Nach einer Studie des Öko-Institutes Freiburg im Auftrag von Greenpeace (Februar 2018) können Wälder in Deutschland maßgeblich zum Klimaschutz beitragen, wenn sie stärker geschützt werden. Bei einer ökologischeren Bewirtschaftung können die Wälder bis zu 48 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr binden; dies entspricht etwa der Hälfte des jährlichen CO2-Ausstoßes von PKW in Deutschland. Im Rahmen der normalen forstwirtschaftlichen Nutzung bewirtschaftete Wälder speichern dagegen nur ca. 17,2 Mio. Tonnen CO2 / Jahr (= 35 Prozent des Möglichen), intensiv bewirtschaftete Wälder sogar nur 1,4 Mio. Tonnen CO2 / Jahr (= 3 Prozent) (8). Bei „normaler“ Bewirtschaftung speichert ein Hektar Fichte etwa 10 Tonnen CO2 / Jahr, ein Hektar Buche etwa 13 Tonnen. Die Speicherleistung des Aachener Waldes (etwa 30 Quadratkilometer, davon 23 Quadratkilometer Kommunalwald) dürfte damit etwa bei 30 bis 39 kt CO2 Äq. / Jahr liegen. Geht man von den Werten der o.g. Studie aus, ließe sich dieser Wert auf maximal 117 kt CO2 Äq. / Jahr steigern. Dies würde eine Senkung der Klimabelastung durch die Stadt Aachen (offizielle Schätzung 2000 kt CO2-Äquivalente im Jahr 2017) um mehr als fünf Prozent bedeuten. Im Gegensatz zu vielen anderen THG-senkenden Maßnahmen dürfte diese kostenneutral sein, da der Verzicht auf Einnahmen durch Holzverkäufe von Laubholz durch Einsparungen in der Forstarbeit (z.B. Harvester-Einsätze) kompensiert werden dürfte.

Politische Rahmenbedingungen

Die Bundesregierung hat sich bereits 2007 im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS), die der Umsetzung der UN-Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD, 1992) dient, verpflichtet, bis 2020 mindestens 5 Prozent des Waldes bzw. 10 Prozent des öffentlichen Waldes (also auch des kommunalen Waldes) aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Mit der Umsetzung dieses Zieles erreicht die Stadt Aachen also nicht nur mehr biologische Vielfalt im Wald, sondern auch mehr Klimaschutz; eine „win-win“-Situation für Klima- und Naturschutz.
Unter Mitarbeit der BUND-Gruppe Aachen (Alfred Halsband), NABU-Stadtverband Aachen e.V. (Claus Mayr), Regionale Resilienz Aachen e.V. (Dr. Raphaela Kell), Slow Food Aachen (Anja Schmid), Eine Welt Forum Aachen e.V. (Dr. Jan Salzmann) Mitarbeit Energiebilanzen: Horst Kluttig (Wind e.V.)

Anmerkungen / Links

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Ansprechpartner für Land- und Forstwirschaft / Ernährung: Claus Mayr

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